Schlachtross


Hier steht es. Mein ehrwürdiges Scott Plasma, benannt als „Schlachtross“ mit dem ich schon diverse, heroische Kämpfe bestritten und unzählige Trainingskilometer abgespult habe.
Dieses Rad hat mich durch epische Schlachten getragen: Gegen Gegenwind, Steigungen, Regen und Kälte und meine eigene, teils sehr laute Meinung einfach aufzugeben.
In all der Zeit hat es mich nie wirklich im Stich gelassen; vielleicht auch als Dank dass ich es über all die Jahre immer gut gehegt und gepflegt habe. Mein Schlachtross hat sein Quartier auch nicht in einer verstaubten Garage oder Keller; nein es ist in meinem Büro bei sauberer Raumluft- und Temperatur und Teppichboden eingestallt.
Jetzt aber: Comeback-Zeit.
Das Schlachtross wurde aus dem Dornröschenschlaf geweckt und ein erstes Mal auf der Trainingsrolle ausgeritten. Draußen warten zwar echte Straßen, echte Berge und echte Witterungsbedingungen – aber wir fangen klein an. Drinnen. Sicher. Ohne Publikum.
Die ersten Minuten: Vorsichtiges Antreten. Die Trainingssessions sind eine Mischung aus Wattbolzerei und einem Date mit dem Gleichgewichtssinn. Der Blick starr wie der eines Rehs im Scheinwerferlicht. Doch mit jedem Tritt erinnern wir uns wieder an Geschwindigkeit, an dieses grandiose Gefühl dem Luftwiderstand ein Schnippchen zu schlagen.
Und bald… ja bald geht’s wieder raus.
Zurück auf die Straße. Zurück in die Schlacht.
Mit meinem Schlachtross, das mich nie wirklich im Stich gelassen hat –
und Beinen, die sich hoffentlich bald wieder daran erinnern, wofür sie eigentlich da sind.



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